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Ein Bericht zur Hilfsaktion für die Ukraine

Als der Krieg in der Ukraine vor einigen Wochen schlagartig immer präsenter wurde, steckte ich noch mitten in den Prüfungen: Mit blieb vorerst nichts, außer Kundgebungen zu besuchen und die kurzfristig organisierte Hilfe zu beobachten. Mit Blick auf die bald anlaufenden Konvois wollte ich am liebsten so schnell wie möglich Richtung Ukraine aufbrechen, um Güter an die Grenze zu fahren oder fliehende Menschen in Sicherheit zu bringen. Doch erst einmal mussten Klausuren geschrieben, Leute angehauen und ein Urlaub verschoben werden. Als das geschafft war, hatte ich plötzlich viel Zeit, aber nichts in der Hand, was bei meinem Vorhaben half. Autos standen nicht zur Verfügung, waren bereits eingesetzt oder, entgegen meiner Erinnerung, auch teils einfach nicht vorhanden. Konvois, die nach Fahrer*innen gesucht hatten, starteten vorerst vereinzelter als angenommen, setzten zumeist ein eigenes Fahrzeug voraus und brachen außerdem oft aus westdeutschen Großstädten auf. Bei meiner ersten Tour, durchgeführt von einem Brandenburger Jugendverband, hatte man bereits viel organisiert, brauchte aber tatsächlich noch einen Fahrer sowie Hilfe beim Einsammeln und Sortieren der Sachspenden aus den landesweit verstreuten Standorten. Ich war froh, mich einbringen zu können und half entsprechend gerne mit. Nach Sichtung der Gegenstände, die gespendet wurden, war klar, dass zuerst ein Transport mit akut benötigten Dingen wie Schlafsäcken, Isomatten und medizinischen Gegenständen aufbrechen sollte, gefolgt von zwei Laster mit weiteren Spenden. Über Berlin ging es nach Polen, welches ich noch aus einem Sommeraufenthalt vor einigen Jahren kannte. Unklar war anfangs, ob überall Treibstoff erhältlich sein würde, wie die Preise sich entwickeln und ob mein Geld ausreichen würde, um die Kosten der Tour auslegen zu können. Das Tanken klappte ohne Probleme, nur das Entrichten der fälligen Maut erschien zuerst komplizierter als nötig. Auch abseits der Autobahn, auf welcher es sich bereits auf dem Hinweg staute, sah man regelmäßig vollbeladene Transporter, die scheinbar ähnliche Ziele hatten. Nach einer Nacht im Auto wurde unsere Ladung an einem Ort nahe der polnisch-ukrainischen Grenze entgegengenommen, Kaffee und Kekse gereicht und natürlich ein gemeinsames Foto geschossen.

Zu dem Zeitpunkt stand bereits fest, dass ich den 9-Sitzer der Erfurter Naturfreund*innen ausleihen konnte und so bei weiteren Touren deutlich flexibler sein würde.

Über die Bereitstellung des Fahrzeuges wurde ein Spendenaufruf organisiert, der das Vorhaben finanziell absicherte. Meine erste Fahrt im top-gepflegten Ford der Erfurter Gliederung führte mich erneut über Berlin bis kurz vor Zamość, dem Geburtsort Rosa Luxemburgs, im Osten Polens. Dort wurden Gruppen aus Autos mit ukrainischen Kennzeichen, denen man die schwierigen zurückliegenden Kilometer oft ansah, merklich häufiger, der Sprit hingegen an manchen Tankstellen rar. Ich hatte kein konkretes Ziel, wollte bei dringendem Bedarf jedoch nicht erst in Deutschland starten müssen. Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich bis an die Grenze fahren, um an einem gut frequentierten Übergang eine Fahrt anzubieten.

Noch am Abend erhielt ich jedoch über einen Freund, der von meiner Tour wusste, die dringende Anfrage, ein älteres Paar, welches bereits in Krakau war, zu Verwandtschaft in Thüringen zu bringen. Am nächsten Morgen bestätigte sich die Dringlichkeit, die Frau hatte gerade eine Krebsdiagnose erhalten, sodass wir ohne Zeit zu verlieren gemeinsam Richtung Deutschland aufbrachen. Dort wurde die Dame nach Ankunft sofort von ihrer dort lebenden  Tochter ins Krankenhaus gebracht. Bald darauf sollte es eine größere Hilfslieferung aus Mitteldeutschland bis in die Slowakei gebracht werden. Auf dem Rückweg wollte ich Menschen aus der Ukraine mitnehmen, welche es bereits nach Budapest geschafft hatten. Dort saßen viele, vor allem internationale Studierende fest, welchen auf Grund ihrer Hautfarbe nicht nur oft Solidarität verwehrt wurde, sondern welche ihre Flucht mit öffentlichen Verkehrsmitteln wegen Bedrohungen oder rassistischer Ungleichbehandlung ganz abbrechen mussten. Die Einreise über Österreich ging jedoch glatt, der Grenzer ließ uns nach Kontrolle der Papiere ohne Beanstandung passieren. Zurück in Deutschland wurden meinen Mitfahrer*innen Schlafplätze vermittelt und ein Anlaufpunkt für die kürzlich angekommenen Menschen aus der Ukraine gezeigt.

Während diese dort unter anderem Hilfe bei der Bewältigung anstehender Behördengänge angeboten bekamen, machte ich mich ein zweites Mal auf den Weg nach Ungarn, erneut über Dresden, von dort aus aber über Prag und vorbei an Bratislava. Auch diese Fahrt lief glatt. Meine letzte Tour sollte eine Mutter mit Kind von Warschau nach Franken bringen, wo sie bei einem Ortsteilbürgermeister und seiner Familie unterkamen, mit dem ich mich wohl unter keinen anderen Umständen so gut verstanden hätte wie an diesem Abend. Mit einem geschenkten Wein und der Einladung zum örtlichen Volksfest machte ich mich auf den Rückweg, um den Transporter nach knapp 10.000 Kilometern zurück zu bringen, und mich, wie hier noch einmal, für die tatkräftige und unkomplizierte Unterstützung sowie das Vertrauen zu bedanken!

 

Wir bedanken uns auch bei allen Spender*innen, die mit ihrer finanziellen Unterstützung die Hilfsaktion erst möglich gemacht haben!